Sach-, Fach- und Lachgeschichten

Meine Meinungen zu Menschen, Marken, Marketing ...

KI kostet Agenturen keine Neukunden.

5. November 2026 - Allgemein, Gedanken -

Ja, es gibt viel, viel mehr KI-generiertes Zeug von allen möglichen Anbietern. Das sieht man sofort. Und alle Agenturen brüllen, dass man das tut. Dass es scheiße ist. Weil es generisch ist. Austauschbar. Beliebig.

Alles berechtigte Aussagen. Aber … WTF cares? Kaum einer dieser Kunden hatte zuvor eine betreuende Agentur. Vielleicht gab es mal einen Auftrag für ein Poster für einen Jahrmarkt, eine Ausstellung, einen „Tag der Offenen Tür“, aber diese Kunden haben ihre Werbung eigentlich immer selbst gemacht. Oder haben einfach die Grafikabteilung ihrer Lokalzeitung gebeten, ihr Logo abzubilden, „Ihr Meister-Fachbetrieb seit 30 Jahren“ drüber- und die relevanten Kontaktdaten drunterzuknallen, fertig. Auch das war hausgemacht. Auch das sah scheiße aus. Weil generisch. Austauschbar. Beliebig. Das aber hat man ignoriert bzw. akzeptiert. Oder sogar Verständnis dafür gehabt, dass diese kleinen Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe kein Geld für eine Agentur und/oder eine großangelegte Markenstrategie haben. Und offensichtlich haben all diese potenziellen Kunden kein Problem damit gehabt, ihre in die jeweilige Maßnahme (Anzeige, Plakat, Posting) gesteckten Ziele zu erreichen. Das heißt, auch wenn es uns Superkreativen nicht gefiel, deren Kunden schien das nicht zu stören. Also aus Sicht des Kunden – und um die geht’s: Alles richtig gemacht.

Und jetzt soll es falsch sein, die kostenlosen Angebote zu nutzen, wo sie sogar selbst durch einen relativ einfachen Prompt die Möglichkeit haben, sich kreativ auszuleben?

„Ja, aber ich bitte dich, Heiko, das ist doch nicht kreativ.“

„Mag aus Sicht eines so Sachverständigen wie dir der Fall sein. Aus Sicht des Kunden funktioniert’s. Und war es nicht einer unserer Säulenheiligen, David Ogilvy, der gesagt hat: ‚Was nicht verkauft, ist nicht kreativ‘?“

Das ist das Problem. Werber haben vor lauter Markengerede, was ja per se richtig ist, den Blick aufs Wesentliche, den Verkauf, verloren. Diesen Aspekt haben wir geradezu mit Verachtung gestraft. Und ich war da kein Deut besser …

Viele Jahre hatte ich einen Discounter als Kunden. Der wollte seine Beileger etwas aufpeppen. Sie wissen schon, diese Angebotsteile voller Produkte und Rabattaktionen, wo man neben riesigen Produktshots nur riesige € und % sieht. Hässlich. Billig. „Schweinebauch. 1 kg, 9,99 €“ …

„Nutzt doch keiner mehr.“ – Und wie üblich war das „keiner“ man selbst sowie die eigene Peergroup.

Ein Storecheck reichte. Ich sah Dutzende von Menschen, die mit so einem Prospekt schon in den Laden kamen. Versehen mit mehr Notizen, als ich je ein Buch zu Studienzeiten mit Notizen versah. Andere griffen begehrlich in die Auslage am Eingang und ließen sich inspirieren. Die Dinger funktionieren.

Und natürlich neigt man dann dazu, eine App als Alternative vorzuschlagen. Die sei ja langfristig ökonomischer, für die Marktforschung substanzieller und vor allem ökologischer, nachhaltiger.

Das mag alles stimmen – und tut es ja auch –, aber … Es verkauft nicht.

Ein Storecheck reicht. Während man im öffentlichen Raum kaum mehr einen Menschen sieht, der nicht auf sein Handy glotzt (ganz gleich, wie beladen oder beschäftigt die Person mit Taschen, Kinderwagen, Fahrradschieben ist), tut das in so einem Laden keiner – und hier meine ich mit „keiner“ kaum einer.

Letztlich ging es nur um ein kleines Motto und dessen dezente (!) grafische Umsetzung, denn wie in einem Regal ist der Platz in so einem Prospekt bares Geld wert für den Kunden. Er verkauft seinen Lieferanten damit Werbefläche.

Musste ich auch erst einmal lernen – und vor allem akzeptieren lernen. Egal, wie „schweinebauchig“ das ist, es ist kreativ, eben WEIL es verkauft. Und allein dadurch hat es, unabhängig davon, ob das in das eigene Weltbild oder Verständnis von Ästhetik passt, seine Berechtigung.

Aber statt uns daran zu orientieren, haben wir uns ein paar neue Parameter zugelegt, an denen wir den Erfolg unserer Arbeit – auch mittels KI – darstellen können: Impressions, Reichweite, Follower, Likes, Engagement. Klingt alles ganz wunderbar. Lässt sich prima reporten, in Präsentationen packen und bei der nächsten Budgetrunde in Form von Tortendiagrammen darstellen – in der Hoffnung, noch ein größeres Stück vom Marketingbudgetkuchen zu bekommen.

Natürlich ist es schön, wenn viele Menschen einen Beitrag sehen. Und noch schöner, wenn sie ihn mögen. Aber was habe ich davon, wenn 20.000 Menschen mein Posting gesehen haben, 500 mir folgen und trotzdem keiner anruft? Oder kauft?

Ich habe den Eindruck, dass man mit solchen Zahlen vor allem Marketingabteilungen beeindrucken kann. Handwerker, Einzelunternehmer oder auch Gemeinden sind da oft deutlich pragmatischer. Denen gefällt es natürlich auch, wenn viele Leute sie mögen. Aber noch viel besser gefällt ihnen, wenn die Leute kommen. Und kaufen. Oder einen Auftrag erteilen. Oder zum Stadtfest erscheinen.

Denn Reichweite ist zunächst einmal Reichweite. Ein Like ist ein Like. Und ein Follower ist jemand, der einem folgt. Was ja noch lange nicht bedeutet, dass er auch etwas von einem kaufen möchte.

Vielleicht haben wir uns auch hier ein wenig zu sehr in unsere eigenen Erfolgskriterien verliebt. Wir messen, was sich messen lässt, und erklären es anschließend zum Erfolg. Wir präsentieren Diagramme und Kurven, Zahlen über Zahlen – meist versehen mit + und %. Das Ding ist:

Ein Kunde will in der Regel keinen +rf%lg.
Er will €rfolg.

KI wird natürlich auch von Großkunden genutzt. Das ist für uns Kreative ärgerlich, aber wir nutzen ja auch keine Letrasets mehr, sondern die Möglichkeiten von leider sehr teuren Grafikprogrammen. Nichts anderes machen diese und kleinere Kunden auch – nur nutzen sie halt die billigste Variante: KI.

Das kann man bedauern, aber kann man es ihnen verübeln? Vielleicht sollte man sie eher ermutigen, sie noch mehr zu nutzen, denn auch sie hat ihre Grenzen – und schon kommen diese Unternehmen – ob groß, ob klein – an ihre Grenzen. Zum einen dadurch, dass die Wünsche und Ansprüche an den Output der KI steigen und diese ihnen irgendwann nicht mehr gerecht wird, zum anderen dadurch, dass sie merken, dass die Mitarbeitenden unglaublich viel Zeit fürs Prompten verwenden und deren eigentliche Arbeit liegen bleibt, was dann weit mehr als Eh-da-Kosten verursacht.

Oder dass sie, wenn sie KI hochprofessionell einsetzen wollen – mit lernenden Agenten und so –, sehr viel Geld investieren müssten, sodass es dann wieder lohnenswert erscheint, auf einen kreativen Menschen zuzugehen und ihn darum zu bitten, das Plakat, die Anzeige o. Ä. zu gestalten – und dann liegt es ja an uns zu zeigen, dass unsere natürliche Intelligenz besser ist als die KI. So gesehen kann eine KI aus Never-ever-Kunden sogar Neukunden machen. 😉

Vorausgesetzt natürlich, „unsere“ Werbung sieht nicht scheiße aus, ist nicht generisch, nicht beliebig, nicht austauschbar – und vor allem: sie verkauft. 😎

———————————————

Sie lieben schnelle Ergebnisse ohne Kosten? Dann hätte ich da was für Sie:
Sieben Rollen, Sie sieben.

———————————————

0 Kommentare
Und wie ist Ihre Meinung dazu?

Schreibe einen Kommentar